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Die one medialis Story von Dirk Stengel – der Meister der Maschinen

Veröffentlicht am 16. Oktober 2020

7 Minuten

<span id="hs_cos_wrapper_name" class="hs_cos_wrapper hs_cos_wrapper_meta_field hs_cos_wrapper_type_text" style="" data-hs-cos-general-type="meta_field" data-hs-cos-type="text" >Die one medialis Story von Dirk Stengel – der Meister der Maschinen</span>

Menschen, Maschinen, Plakate – diese drei Worte dürften gut umreißen, wie die Arbeitswelt von Dirk Stengel aussieht. Als Chief Production Officer (CPO) hat er die komplette Verwandlung der Druckbranche hautnah miterlebt. Im Interview erzählt er seine Geschichte mit der Agentur – von der Gründung bis zur Entstehung der one medialis.

Dirk, erzähl‘ uns doch ein bisschen was über Deinen Hintergrund! Wie bist Du damals im Agentur-Business gelandet?

Dirk: Nach der Schule hatte ich zunächst eine Ausbildung zum Bauzeichner gemacht. Schon vor dem Abschluss habe ich jedoch gemerkt: „Das ist nicht meine Baustelle!“. Durch meine damalige Freundin bin ich dann in die Werbeagentur-Szene reingerutscht, das fand ich alles wesentlich spannender. Zunächst habe ich ein Praktikum in der Werbeagentur „Graffiti“ absolviert, die im Model-Business unterwegs war. Danach war ich als Fotograf bei Gleim tätig, das war der Nachfolger des Fotostudios „Von Deschwanden“. Parallel dazu habe ich dann mein Studium an der Akademie für Absatzwirtschaft (AFAK) in Kassel zum staatlich geprüften Kommunikationswirt gemacht.

Nach diesen Lehrjahren – so um 1993 –  habe ich mich aufgrund einer bewegenden TV-Reportage über das Leiden der Kinder mit Kriegsverletzungen im Jugoslawienkrieg dazu entschlossen, die dort tätige  Hilfsorganisation zu unterstützen, indem ich Fotos über deren Einsatz vor Ort mache. Das war eine schöne, aber auch krasse Zeit. Ich habe dort wirklich mitbekommen, was Krieg bedeutet, habe erlebt, wie Granaten über mich weggeflogen sind. Das war schon echt ein einschneidendes Erlebnis. Kurz vor diesem Einsatz hatte ich bereits Olaf, Tobi und Martin kennengelernt. Im WG-Keller habe ich dann mein Fotostudio eingerichtet, die Bilder aus dem Kriegsgebiet entwickelt, an die Medien verteilt und nebenbei noch meinen Zivildienst abgeleistet. In 1995 wich dann das Studio dem ersten Büro, als wir die fixe Idee hatten, gemeinsam eine Werbeagentur zu gründen - die medialis marketing GmbH. Wir haben uns damals mehr oder weniger selbst ins kalte Wasser geschmissen.

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Ein alter Zeitungsbericht über Dirks Jugoslawien-Einsatz

Du hattest nach der Gründung zunächst den Vertrieb übernommen. Was hat Dich daran begeistert?

Dirk: Was ich schon immer gut konnte, war reden. Wenn ich von etwas überzeugt war, konnte ich Leute relativ gut begeistern und mitreißen. Begeistert hat mich vor allem der Umgang mit den Leuten. Du hast immer verschiedene Charaktere vor dir: Es gibt Leute, mit denen kommst du total klar, dann hast du aber wiederum Leute, auf die du dich total einstellen und lernen musst, auf sie einzugehen. Ich erinnere mich, dass wir damals zwei, drei Choleriker unter den Kunden hatten, wo wir dachten: „Das geht gar nicht!“. Letztlich haben wir es aber doch hinbekommen, sie zu akquirieren. Das hat mich immer am Vertrieb begeistert, der Kontakt mit Menschen, sie zu nehmen, zu lesen und zu überlegen: „Wie holst du die jetzt am besten ab?“.

Gibt es besondere Erlebnisse, die Dir aus dieser Zeit im Gedächtnis geblieben sind?

Dirk: Das war tatsächlich unser erster Kunde, ars curandi. Vorher hatten wir immer mal ein bisschen Briefpapier gesetzt, ein paar Visitenkarten gemacht. Und das war so die erste Nummer, der erste Farbprospekt, das erste Logo. Wir mussten uns mit den Druckereien auseinandersetzen, also wie da die Abläufe so sind etc. - das wussten wir damals ja alles gar nicht. So haben wir uns dann in dieses Metier reingefuchst  und das ars curandi-Logo läuft tatsächlich heute noch. Die Autos fahren heute noch und das Logo ist noch unterwegs. Und jedes Mal, wenn ich es sehe, erinnert es mich an die Anfangszeiten.

Es war damals auch eine sehr schnelllebige Zeit. Wir sind gewachsen, haben dann unseren ersten Auszubildenden eingestellt. Wir sind damals vom Kellerdasein in der Rehschneise in die Friedrich-List-Straße umgezogen, ins Industriegebiet West. Da hatten wir dann unsere ersten Räume. Das war allerdings noch so angelegt, dass wir auf der linken Seite die Agentur hatten und auf der rechten Seite haben Olaf und Martin tatsächlich noch gewohnt. Das war auch die Zeit mit Planschbecken auf dem Dach und so weiter, also wir hatten da eine echt coole Zeit. Im Endeffekt wurde es dann immer professioneller, wir haben uns so langsam auch einen Namen gemacht mit der Agentur.

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Ein Bild aus den Anfangsjahren: Dirk (Mitte) mit Yan-Tobias Ramb und Olaf Bujard

Du bist schließlich zur neugegründeten marketXpress gewechselt. Wie kam es dazu?

Dirk: Das war eigentlich eine relativ logische Schlussfolgerung. Zuerst hatten wir ja in 1997 die graphXpress GmbH gegründet. Wir hatten so viel Druckvolumen und haben so viele Aufträge an Druckereien verteilt, dass wir gesehen haben: „Wir können diese Druckvorstufe eigentlich auch selbst anbieten“. Zudem wollte unser damaliger Druckvorstufen-Dienstleister nach Spanien auswandern, weil wir ihn und seine Maschinen Tag und Nacht ausgelastet hatten ;-) So haben wir uns dann den ersten Belichter gekauft. Früher war es ja tatsächlich noch so, dass Filme belichtet und dann zur Druckerei gebracht wurden, damit dort die Druckplatten hergestellt werden konnten. Auch Dias mussten noch über schnell rotierende Trommelscanner aufwändig digitalisiert werden. So einen hatten wir ebenfalls angeschafft. Das haben wir dann auch recht schnell als Dienstleistung für andere Druckereien und Werbeagenturen angeboten, was sehr gut angenommen wurde.

Dann kam ein Einbruch in der Druckbranche. Von heute auf morgen ging das Geschäft Filmbelichtungen gegen Null, weil sie durch die digitale Erstellung direkt in der Maschine der Platten abgelöst wurde. Und durch den Einzug von Digitalkameras auch im Profi-Bereich fiel auch das Scannen von Dias komplett weg. Just zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine Anfrage eines Besitzers mehrerer OBI-Baumärkte in der Region erhalten. Bis dato wurden dort Plakatdrucke per Fax bestellt - wir wurden gefragt, ob wir eine Schnittstelle zu deren Design-System programmieren könnten, damit die Plakate digital bestellt und zentral produziert werden können. Das war unsere Transformation von der graphXpress in die marketXpress. So ist die Produktionsschiene entstanden.

Wie ging es dann mit der marketXpress weiter?

Dirk: Wir hatten damals zwanzig Testmärkte. Für uns war das unglaublich spannend, weil OBI als großer Konzern auf uns gebaut und uns vertraut hat. Die digitale Bestellung, Produktion und Logistik durch uns lief super-effizient, so dass wir wir auf einmal alle deutschen Märkte bedienen durften. Direkt danach kam die Anfrage für das Ausland dazu. So hatten wir auf einen Schlag 600 Märkte, die wir mit Preiskommunikation versorgen sollten. Also haben wir den Maschinenpark aufgerüstet. Damals standen die Drucker noch in Büros, von denen aus wir die Jobs abgearbeitet haben. Und das war schließlich auch der Punkt, an dem wir raus aus den Agenturräumen an einen separaten Produktionsstandort umziehen mussten, weil das Lager zu groß wurde, die Maschinen zu groß wurden.

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Dirk Stengel, CPO der one medialis

Über diese lange Zeit ist jeder von uns Gründern in seinen eigenen Bereich hineingewachsen: ich  habe durch mein technisches Know-How die Verantwortung für die Produktion übernommen, Yan-Tobias Ramb als Kaufmann und Netzwerker die Führungs- und Beraterrolle. Martin war der kreative Kopf, der schon sehr früh mit Programmierung im Web zu tun hatte und in Konsequenz den Digitalbereich übernommen hatte, während Olaf das klassische Agenturgeschäft leitete. So hat jeder von uns seine Position gefunden. Ich bin vom Typ her auch eher so der Mann fürs Grobe, kann einfach mal anpacken und das war dann ganz klar mein Ding.

Welche Veränderungen hat die Druckbranche in den letzten Jahren durchlebt?

Dirk: Das ist so ein Thema. Wir kommen noch aus der Zeit von Offset-Druck bzw. Rollendruck. Ganz klar, die Digitalisierung hat Einzug gehalten, das haben wir auch gemerkt. Genau genommen waren wir ein Vorreiter, denn Digitaldruckereien gibt es gerade wie Sand am Meer. Wir hatten uns aber so auf diese DIY-Branche spezialisiert, dass wir mit der Logistik und den Softwarelösungen eine Alleinstellung auf dem Markt haben. Und da sind wir dann größer geworden. Hagebau kam auf einmal mit dazu, Hellweg kam mit dazu, BayWa kam dazu. Und so haben wir dann skaliert, der Maschinenpark musste aufgestockt werden.

Aktuell wird sehr viel direkt digital gedruckt (Anm.: statt wie vorher mit Offset vorgedruckt und dann schwarz per Laser individualisiert, z.B. Preise), weil auch einfach die Druckqualitäten im Vergleich zu früher um Längen besser geworden sind. Früher hat man dem Digitaldruck seine Qualität angesehen. Mittlerweile hat sich die Branche verändert. Alles, was kleinere Auflagen angeht, macht man nur noch digital. Zum Glück haben wir diesen Umschwung aus unserer Historie mit den DIY-Märkten heraus automatisch mit begleitet. Wir waren schon immer Vorreiter in diesem Thema.

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Plakatdruck im Produktionsbereich der one medialis

Wie hast Du den Change-Prozess hin zur one medialis wahrgenommen und wie stellst Du Dir die gemeinsame Zukunft vor?

Dirk: Wir ziehen wieder alles zusammen in die one medialis, weil es der Markt ein Stück weit fordert. Früher war es so, dass man gesagt hat: Eine Werbeagentur, die alles anbietet, ist so ein Bauchladen. Die können nichts so richtig. Deswegen haben wir früher den Sales-Bereich, den Produktions-Bereich, die Web-Leistungen auf eigene Beine gestellt. Und jetzt ziehen wir alles wieder zusammen, weil wir gemerkt haben: Wir sind damit wesentlich schlagkräftiger, auch von unserem Auftreten nach außen.

Ich freue mich auf die Zukunft, weil ich glaube, dass der Prozess, den wir gerade durchmachen, ein guter Weg, ein richtiger Weg ist - auch für die Kunden an sich. Das Portfolio hat sich komplett geändert in dieser ganzen Zeit. Und wir blicken ja jetzt schon auf 25 Jahre zurück. Ich bin froh, dass wir den Turnaround geschafft haben. Wir rücken näher zusammen, die Wege werden kürzer, wir können Projekte ganzheitlich betreuen. Das ist eigentlich so das Spannende, auch für die Zukunft. Wir sind eine große Familie. Und ich glaube, das ist das, was uns am Ende dann auch auszeichnet.

Was ist Deine Aufgabe innerhalb der one medialis Familie?

Dirk: Ich habe den Part der Produktionsleitung übernommen. Das heißt, alles, was Druckmedien angeht, was Digitaldruck angeht, was Banner angeht, was Plakate angeht. Also alles, was mit der Produktion zu tun hat, wird durch unseren Bereich entsprechend abgedeckt. Und ich bin dafür zuständig, dass der Laden hier unten am Laufen ist, dass die Produktionsschiene am Laufen ist, dass Wege verkürzt werden und wir dementsprechend die PS gut auf die Straße bekommen.

Dirk, vielen Dank für den ausführlichen Einblick!

 

Simon Fast
Geposted von Simon Fast
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